und wir müssen gehen
3-Gipfeltour über Rotspitze, Heubatspitze und Breitenberg
3-Gipfeltour über Rotspitze, Heubatspitze und Breitenberg

3-Gipfeltour über Rotspitze, Heubatspitze und Breitenberg

Der Tag war mit herrlichem Wetter vorhergesagt und wir hatten das Wochenende frei. Was läge da näher, als eine schöne Tagestour in den Allgäuer Alpen? Nachdem unser letzter Versuch, den Breitenberg zu besteigen nicht so ganz von Erfolg gekrönt war, wollten wir den Berg noch einmal bei stabilem Wetter im Sommer angehen und haben die Rundtour kurzerhand noch um die Rotspitze und Heubatspitze erweitert.

Die Entscheidung für diese Tour war also schnell gefallen. Die Rucksäcke haben wir am Vorabend gepackt, aber viel braucht man für eine Tagestour ja auch nicht. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Tagestour war recht anspruchsvoll, aber richtig schön mit wahnsinnig tollen Ausblicken!

Tourdetails

Datum: 04.09.2021
Länge: 17km
Höhenmeter: 1300m ▲ / 1300m ▼
Dauer: 10h inklusive Pausen, 8h Gehzeit
Schwierigkeit: B, 1
GPX-Track

Karte & Höhenprofil

Wegbeschreibung

Früh morgens fahren wir los und erreichen kurz vor 9 Uhr den Parkplatz Säge bei Bad Hindelang. Ganz offensichtlich sind wir nicht die einzigen, die den Plan haben, hier eine Wanderung zu unternehmen. Der Parkplatz ist schon gut gefüllt und es gibt sogar Einweiser. Komplettes Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch hier. Nach wie vor kostet das Tagesticket 7€. Schnell wechseln wir die Schuhe, befestigen unsere Wanderstöcke an den Rucksäcken und starten voller Elan um 9 Uhr in die Wanderung.

Start am Parkplatz Säge

Der Aufstieg zur Rotspitze ist mit 3¾h ausgeschildert. Der Weg ist recht angenehm zu gehen und gut ausgeschildert. Man läuft hauptsächlich auf Waldboden und gewinnt langsam an Höhe durch viele nicht allzu steile Serpentinen. Da man lange Zeit entlang der Nordseite des Breitenbergs läuft, bleibt die Sonne bis kurz vor Häbelesgund hinter dem Berg versteckt – zumindest ist das Anfang September so. Auf dem Weg stehen immer wieder Bänke, auf denen man kurz rasten kann. Hier reduzieren wir schon einmal unser Gewicht im Rucksack, indem wir unsere Bananen und ein Brot essen. Würden wir nicht mitten in einen Almabtrieb geraten, würde ich den Weg als unspektakulär bezeichnen. Der Almabtrieb selbst ist aber ein kleines Highlight. Die Kühe sind mit Blumenkränzen geschmückt, die Hirten alle in Tracht und das Geläut der Kuhglocken ohrenbetäubend.

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir dann bei strahlendem Sonnenschein die Häbelesgundhütte. Hier gibt es sogar Getränke und eine Vertrauenskasse. Da wir allerdings unsere eigene Verpflegung dabei haben, cremen wir uns nur mit Sonnencreme ein und gehen bald weiter. Laut Wegweiser brauchen wir noch 2h bis zur Rotspitze, das kommt auch ganz gut hin. Man sollte allerdings beachten, dass das 2h in komplett sonnenungeschütztem Gelände sind. Anfangs stehen zwar noch ein paar Latschen, die spenden aber keinen wirklichen Schatten und werden zudem auch schnell rar. Der Weg ist schon von unten gut erkennbar durch die vielen Wanderer, die vor uns den Berg erklimmen.

Aufstieg zur Rotspitze

Bis etwa 200m unterhalb des Gipfels wandern wir in kräftezehrenden, steilen Serpentinen bergauf. Immer im Blick haben wir dabei den Talkessel, durch den wir letztes Mal aufgestiegen sind und die Gratwanderung, die noch vor uns liegt. Auch auf dem Grat sieht man überall Menschen, die in beide Richtungen unterwegs sind.

Blick über den Grat zum Breitenberg

Recht weit oben finden wir noch einmal ein Plätzchen, das noch im Schatten des Berges liegt. Hier legen wir nochmal eine kurze Verschnaufpause ein und stärken uns mit Müsliriegeln und einem Apfel, bevor wir weiter steigen. Auf einem kurzen ebenen Stück vor dem letzten Gipfelanstieg ist bei genauem Hinsehen zum ersten mal das Gipfelkreuz zu sehen.

Gipfelaufbau der Rotspitze

Die letzten Meter des Gipfelanstiegs sind noch einmal steil, allerdings mit ausreichend Drahtseilen entschärft.

Letzter Anstieg zur Rotspitze

Trotz mehrerer Pausen erreichen wir ziemlich genau 3¾h nach Start das Gipfelkreuz der Rotspitze auf 2033m.

Rotspitze Gipfelkreuz

Zeit für eine ordentliche Brotzeit! Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die sich diesen Platz zum Verweilen ausgesucht haben. Die Aussicht von der Rotspitze ist der absolute Hammer. Der Himmel ist fast wolkenlos, wodurch sich ringsum ein phantastisches Panorama auftut. Richtung Norden erstreckt sich der Blick ins Tal, im Osten können wir unsere weitere Route über die Heubatspitze zum Breitenberg ausmachen und im Süden und Westen sehen wir die zahlreichen Gipfel der Allgäuer Hochalpen mit ihren Gipfelkreuzen. Angefangen von kleinem und großem Daumen über die Wengenköpfe bis zum Nebelhorn. Auch auf diesem Grat kann man überall Menschen entdecken – Klettersteiggänger auf dem Hindelanger Klettersteig.

Panorama von der Rotspitze

Obwohl man sich kaum satt sehen kann, machen wir uns nach einer 30-minütigen Pause um etwa 13:25 auf den Weg zur Heubatspitze. Für den Abstieg von der Rotspitze packen wir auch erstmals die Stöcke aus, die man hier wirklich gut gebrauchen kann. Nach einem kurzen Abstieg verläuft der Weg unschwierig am Grat entlang zur Heubatspitze.

Gratweg zur Heubatspitze

Zwischen Rotspitze und Heubatspitze gibt es auch die Möglichkeit, auf den Hindelanger Klettersteig zu kreuzen, aber wir folgen den Wegweisern zum Breitenberg über die Hohen Gänge. Bald erreichen wir das Gipfelkreuz der Heubatspitze auf noch 2008m. Hier setzen wir nur kurz ab, um uns Klettersteigset und Kletterhandschuhe anzuziehen. Der hier startende Klettersteig „Hohe Gänge“ ist mit Schwierigkeitsgrad B bewertet, die ungesicherten Stellen sind im ersten Klettergrad. Geübte können hier sicher auf ein Klettersteigset verzichten, aber wenn man sowieso eins besitzt, schadet es auch sicher nicht, es zu benutzen. Der Klettersteig führt über den ganzen Grat und ist weitestgehend sehr gut gesichert. Die Stahlseile müssen brandneu sein.

Klettersteig Hohe Gänge

Egal ob mit oder ohne Klettersteigset ist wie auf eigentlich jedem anderen Klettersteig auch zwingend Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Zwar sind die Hohen Gänge verhältnismäßig kurz, allerdings sind durchaus ein paar Stellen dabei, die einen Fehltritt nicht verzeihen würden. Der Steig führt über mehrere Passagen, die verschiedene Anspruchsprofile haben. Das bringt Abwechslung und macht Spaß.

Hier muss man abklettern

Unter anderem muss man auch eine 7m lange Eisenleiter absteigen.

Leiter im Klettersteig

Die einzelnen Passagen des Klettersteigs sind dabei immer durch kurze Wanderstellen verbunden.

Gratweg zum Breitenberg

Ab dem Breitenberg Südgipfel (ohne Kreuz) wird der Weg ganz entspannt. Von hier aus hat man auch noch einmal einen schönen Blick in den Talkessel und kann sehr gut den Aufstieg über die steilen Serpentinen zur Rotspitze erkennen.

Blick auf die Serpentinen im Aufstieg zur Rotspitze

Kurz nach dem Breitenberg Südgipfel treffen die Hohen Gänge auch mit dem Normalweg zum Breitenberg von Häbelesgund zusammen. Ab hier läuft man ganz entspannt durch ein dichtes Latschenfeld bis zum Breitenberg auf 1899m. Das Gipfelkreuz erreichen wir etwas später als geplant um 15:45. Trotzdem sind wir überglücklich und feiern unseren Gipfelsieg gebührend mit einem kleinen Schnäpsel.

Breitenberg

Nach etwa 20 Minuten, in denen wir unsere Klettersteigausrüstung verstauen und noch eine kleine Stärkung zu uns nehmen, starten wir mit dem knapp 3h langen Abstieg ins Hintersteiner Tal.

Abstieg vom Breitenberg

Auch hier sind Wanderstöcke wieder dringend empfehlenswert. Vom Gipfel ab ist für ein langes Stück viel rutschiges Geröll auf dem Weg. Ansonsten läuft der Weg entspannt und nicht zu steil. Ein paar Gämse stehen am Wegesrand und grasen. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Älple-Alpe und durchqueren die Kuhweide. Eine schön gelegene Alm mit einer bunt gemischten Herde an Kühen, die auf den Hängen stehen.

Älple-Alpe

Nach der Alm folgen wir einem gut zu gehenden Waldweg, der leider bald darauf in einen steinharten Fahrweg wird. Nicht gerade eine Wohltat für die Füße nach dem langen Tag. Schier endlos zieht sich der Weg bis ins Tal. Erschwerend für die Füße kommt hinzu, dass es zwischen Breitenberg und Tal keine einzige Bank gibt, auf der man sich kurz erholen könnte. Kaum im Tal an der Ostrach angekommen, setzen wir uns direkt auf die erste Bank und entlasten kurz unsere Füße und essen nochmal eine Kleinigkeit.

Ab hier folgen wir dem ebenen Spazierweg entlang der Ostrach mit ihrem kristallklaren Wasser.

Die Ostrach

Auf dem weiteren Weg kommen wir an einem Bergrutsch des Breitenberg und einem Kutschenmuseum vorbei. Der Weg läuft sich jetzt ganz entspannt und wie von allein. Gegen 19 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz. Ein bisschen gelichtet hat er sich schon, aber wir sind bei weitem nicht die letzten, die noch unterwegs sind.

Fazit

Alles in allem war es für uns ein sehr ereignisreicher und erfolgreicher Tag. Die Tour ist zwar konditionell sehr fordernd, aber ein absolutes Highlight für eine abwechslungsreiche und spannende Tagestour mit grandiosen Ausblicken in den Allgäuer Alpen! Durch den einfachen, aber spaßigen Klettersteig ist auch ein wenig Action geboten.

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