und wir müssen gehen
Aufstieg von Mittenwald über den Ochsenbodensteig zur Hochlandhütte (1)
Aufstieg von Mittenwald über den Ochsenbodensteig zur Hochlandhütte (1)

Aufstieg von Mittenwald über den Ochsenbodensteig zur Hochlandhütte (1)

Am ersten Tag unserer dreitägigen Hüttenwanderung steigen wir von Mittenwald über den Ochsenbodensteig zur Hochlandhütte auf.

Tourdetails

Datum: 08.06.2023 (Fronleichnam)
Länge: 7km
Höhenmeter: 850m ▲ / 150m ▼
Dauer: 3:30h Gehzeit, nur kurze Pausen
Schwierigkeit: T2
GPX-Track

Karte & Höhenprofil

Wegbeschreibung

Bestgelaunt bei Sonnenschein erreichen wir kurz vor 10 Uhr morgens den Bahnhof in Scharnitz, wo wir als Bahnkunden unser Auto kostenlos parken dürfen. Bis wir fertig gepackt haben, kommt auch schon bald der Zug nach Mittenwald – Ticket gibt es im Zug (2.70€). Um etwa halb 11 starten wir vom Bahnhof in Mittenwald. Nach kurzer Orientierung verlassen wir den Bahnhofsvorplatz Richtung Norden und schauen dann, dass wir über die eisblaue Isar und aus dem Ort hinaus kommen. Direkt nach der Isarbrücke steht auch schon der erste Wegweiser zur Hochlandhütte, dem wir einfach folgen.

Die Isar bei noch schönem Wetter

An einem Wanderparkplatz direkt an der B2 starten zwei Wege zur Hochlandhütte, die mit 2:50h und 3:20h Gehzeit ausgeschildert sind. Da es noch früh am Tag ist und wir noch voller Elan sind, entscheiden wir uns für den etwas längeren Weg mit der Nummer 271 über den Ochsenboden. Der Himmel verdunkelt sich zwar schon etwas, aber laut Wetterbericht soll es bis 16 Uhr trocken bleiben.

Der schmale Wanderweg schlängelt sich in Serpentinen durch den Wald nach oben, immer in Richtung der hoch aufragenden Felswände des Karwendels. Kaum sind wir eine halbe Stunde unterwegs, fängt es an, zu nieseln. Wie war das mit dem Wetterbericht nochmal? Pfeifendeckel! Wir gehen erst einmal weiter und lassen uns nicht beirren. Zum nun stärker werdenden Regen gesellt sich noch ein Gewitter, das bedrohlich von den Bergen widerhallt. Zu allem Überfluss werden im Tal noch Kanonenschläge zu Fronleichnam gezündet. Was ein Echo! Die ersten Wanderer kommen uns schon entgegen und brechen ihre Touren ab – vermutlich Tageswanderer, die auch noch einen Abstieg vor sich hätten. Als es beginnt, kirschkerngroße Körner zu hageln, wird es richtig ungemütlich. Zum Glück ist der Wald hier relativ dicht, aber einen echten Unterstand gibt es leider nicht.

Wir kommen nur langsam voran, die Mägen sind leer und die Motivation lässt auch ein wenig zu wünschen übrig. Während eines kurzen trockenen Fensters essen wir auf einer kleinen Bank mit schöner Aussicht unsere geschmierten Brötchen.

Ausblick vom Ochsenbodensteig

Die Pause sollte allerdings nicht lange andauern, weil es kurz darauf wieder anfängt, zu regnen und wir wieder in den Wald flüchten. Durch den Regen sind -ich übertreibe hier nicht- Hunderte Alpensalamander auf dem Weg und man muss wahnsinnig aufpassen, keinen platt zu treten. Durch ihre lackschwarze Farbe sind sie oft kaum auf den nassen Steinen und Wurzeln auszumachen.

Einer von hunderten von Alpensalamandern auf dem Weg

Nach dem Aufstieg auf den Ochsenboden kommt ein kurzer, rutschiger Abstieg auf einem wurzeligen Pfad, der dann zu einem Schotterweg wird. Dieser zieht sich dann an den nordöstlichen Ausläufern des Karwendels direkt an den mächtigen Felswänden entlang zum Fuß des Dammkars.

An der Wegekreuzung oberhalb der Talstation der Dammkarhütte-Materialseilbahn endet der Weg 271. Ab hier geht es auf dem Weg Nummer 262 weiter zur Hochlandhütte. Um kurz vor 13 Uhr hört es auch endlich auf zu regnen und wenig später bricht sogar die Sonne durch und die Wolken lösen sich langsam auf.

Der Wanderweg führt wieder durch den Wald bergauf und bald ist schon die Hochlandhütte auf der anderen Seite einer Senke zu sehen. Ohne Höhe zu verlieren verläuft der Weg jetzt in einer U-Form um die Senke herum, an den Fuß des Mitterkars und schließlich zur Hütte. Im Kar sehen wir aus der Ferne eine Gams, die gerade für einen Wanderer auf dem Weg zum Predigtstuhl posiert. Auf den letzten Metern zur Hütte ist noch eine Art Treppe angelegt, die im oberen Teil ein kurzes Stück Stahlseil hat – nicht weiter schwierig.

Die Hütte erreichen wir um genau 14 Uhr. Die Sonne scheint hier jetzt ungehindert, sodass unsere nassen Sachen schnell trocknen. Da wir noch zu früh zum Einchecken sind, genehmigen wir uns zuerst einmal eine heiße Schokolade und Kuchen auf der Sonnenterrasse.

Kuchen und heiße Schokolade auf der Hochlandhütte

Beim Gespräch mit dem Wirt stellt sich heraus, dass es hier wohl nicht gehagelt und nur wenig geregnet hat. Da hatten wir wohl einfach Pech und sind in ein sehr lokales Unwetter geraten. Außerdem erfahren wir vom Wirt, dass der Gjaidsteig noch nicht begehbar ist. Da er wusste, dass mit der Öffnung des Karwendelhauses einige Wanderer diesen Steig gehen wollen würden, hat er gerade gestern Freunde nach oben geschickt, um die Lage zu begutachten. Anscheinend liegt der Schnee dort aber noch so hoch, dass sogar die Stahlseile noch darunter vergraben sind. Das kommt für uns überraschend, aber nachvollziehbar. Der Steig liegt zwar unter 2000m, jedoch auf der Nordseite des Karwendels und da dauert es eben länger, bis der Schnee schmilzt. Die einzige Alternativroute zum Karwendelhaus ist der Abstieg ins Tal und dann der Aufstieg durch das Karwendeltal. Das bedeutet für uns leider, dass wir durch das Karwendeltal sowohl morgen auf- als auch übermorgen absteigen müssen. Den gleichen Weg zweimal zu gehen, noch dazu auf einer Forststraße, löst bei uns nicht gerade große Begeisterung aus, aber es ist die einzige Option.

Den Rest des Nachmittags entspannen wir in der Sonne, genießen die Aussicht ins Karwendel und Wettersteingebirge und bewegen uns noch ein wenig um die Hütte herum. Bei fast jedem Neuankömmling muss der Wirt die gleiche Story erzählen, da die meisten Übernachtungsgäste die Route über den Gjaidsteig geplant hatten.

Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Tomatensoße, genau das richtige nach einer Wanderung 🙂 Der Plan für morgen steht jetzt auch fest. Wir werden früh starten, um den Zug von Mittenwald nach Scharnitz um 09:36 zu nehmen. Von dort werden wir dann noch rund 18km über die Forststraße zum Karwendelhaus aufsteigen.

Fazit

Die Wanderung zur Hochlandhütte am Westrand des Karwendels ist sehr angenehm zu gehen und zumindest über den Ochsenbodensteig recht einsam. Auch als Tagestour mit Einkehr auf der Hütte bietet sich die Wanderung an.

Unser Highlight des Tages waren die vielen Alpensalamander auf dem Weg. Außerdem war die Hochlandhütte sehr cool: Nicht zu groß, entspannte Atmosphäre, tolle Lage. Das Lowlight des Tages war ganz klar der Hagelschauer, in den wir genau hineingeraten sind. Zum Glück waren wir gut für Regen gerüstet und konnten unsere nassen Sachen auf der Hütte trocknen. Der Tag hat wieder mal eindrücklich gezeigt, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann und wie unbrauchbar Wettervorhersagen oft sind.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Dreitägige Hüttentour im nordwestlichen Karwendel – Die Berge rufen

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